Der Kreistag des Kreises Steinburg hat das Strategische Regionalentwicklungskonzept zur Energiekompetenzregion Westküste einstimmig beschlossen. Damit wird ein wichtiger strategischer Rahmen für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung der Region gesetzt.
Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle die Westküste in der Energiewende einnehmen wird. Die Voraussetzungen sind außergewöhnlich gut: erneuerbare Energien in großem Umfang, verfügbare Flächen sowie eine zunehmend leistungsfähige Infrastruktur. Entscheidend wird nun sein, diese Stärken gezielt zu nutzen und in konkrete Wertschöpfung umzusetzen.
Die Bürgerliste Steinburg sieht in diesem Konzept eine große Chance. Die Westküste kann sich zu einem führenden Standort für klimaneutrale Industrie entwickeln – insbesondere für energieintensive Zukunftsbranchen wie nachhaltige Rechenzentren. Entwicklungen, die vor wenigen Jahren noch als visionär galten, sind heute realistische Perspektiven im internationalen Wettbewerb um Investitionen.
Jetzt kommt es darauf an, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen: Planungssicherheit, Infrastruktur und eine klare politische Unterstützung für innovative Ansiedlungen. Regionen, die heute entschlossen handeln, werden langfristig wirtschaftlich profitieren.
Hier die Rede unseres Kreistagsabgeordneten Dr. Siegfried Hansen im Wortlaut:
„Sehr geehrter Herr Kreispräsident, meine Damen und Herren,
manchmal braucht es in der Politik Geduld. Und manchmal braucht es einen langen Atem, um Ideen so lange zu tragen, bis die Zeit für sie reif ist.
Wenn wir heute über das Strategische Regionalentwicklungskonzept der Energiekompetenzregion Westküste sprechen, dann sprechen wir über genau einen solchen Moment. Denn die Westküste steht vor einer historischen Chance.
Die Energiewende ist längst nicht mehr nur eine ökologische Aufgabe. Sie ist zu einer wirtschaftspolitischen Frage geworden. Und wer sich die Entwicklung der letzten Jahre anschaut, erkennt sehr schnell: Die Regionen, die früh auf erneuerbare Energien, auf Infrastruktur und auf innovative Technologien setzen, werden die Gewinner dieser Transformation sein.
Die Westküste hat dafür hervorragende Voraussetzungen.
Windenergie, künftig grüner Wasserstoff, leistungsfähige Netzanbindungen, große Flächen, industrielle Kompetenz – all das ist hier vorhanden. Und genau deshalb formuliert das vorliegende Konzept einen zentralen Ansatz: Die gezielte Ansiedlung energieintensiver, energiewendeaffiner Net-Zero-Unternehmen. Unternehmen also, die große Energiemengen benötigen, diese aber möglichst klimaneutral nutzen. Ziel ist eine deutliche Steigerung der regionalen Wertschöpfung und gleichzeitig ein Beitrag zu den industrie- und klimapolitischen Zielen des Landes.
Und wenn wir ehrlich sind: Genau hier liegt die große Perspektive.
Die Westküste kann mehr sein als nur Energieproduzent. Sie kann zum industriellen Innovationsraum der Energiewende werden.
Oder – um es zugespitzt zu sagen: Wenn wir es richtig machen, kann die Westküste das neue Bayern werden. Das Silicon Valley Deutschlands für klimaneutrale Industrie.
Und dazu gehören auch moderne, nachhaltige Rechenzentren.
Denn Rechenzentren sind das Rückgrat der digitalen Wirtschaft. Künstliche Intelligenz, Cloud-Infrastrukturen, Datenverarbeitung – all das benötigt enorme Rechenleistung und damit enorme Energiemengen. Genau deshalb suchen Betreiber heute Standorte, an denen große Mengen erneuerbarer Energie verfügbar sind.
Bereits vor mehr als zehn Jahren habe ich einmal die Idee formuliert, in Itzehoe – in unmittelbarer Nähe zum IZET – ein klimaneutrales und nachhaltiges Rechenzentrum anzusiedeln. Damals war die Reaktion freundlich interessiert, aber letztlich war die Zeit noch nicht reif. Die Energiewende steckte noch in den Kinderschuhen, und die digitale Wirtschaft hatte den heutigen Energiebedarf noch nicht erreicht.
Heute sieht die Welt anders aus. Heute konkurrieren Regionen in ganz Europa um genau solche Investitionen. Milliardenprojekte entstehen dort, wo Energie, Infrastruktur und politische Unterstützung zusammenkommen.
Und deshalb müssen wir uns heute eine einfache Frage stellen: Wollen wir Zuschauer sein – oder wollen wir mitspielen?
Die Westküste hat das Potenzial, ein zentraler Standort für klimaneutrale Industrie zu werden. Für Wasserstoffwirtschaft, für nachhaltige Produktion – und eben auch für energieeffiziente Rechenzentren.
Aber Potenzial allein reicht nicht. Regionen gewinnen Zukunft nicht durch Konzepte auf Papier, sondern durch entschlossenes Handeln.
Wenn wir wollen, dass sich Unternehmen hier ansiedeln, dann müssen wir heute die Grundlagen schaffen: Flächen, Infrastruktur, Planungssicherheit und eine klare politische Unterstützung für solche Projekte.
Kurz gesagt: Wir müssen jetzt investieren, um die Zukunft zu gewinnen. Denn eines ist sicher: Die Regionen, die heute mutig handeln, werden morgen die wirtschaftlichen Gewinner der Energiewende sein.
Und ich bin überzeugt: Die Westküste hat alles, was es dafür braucht.
Vielen Dank“